2009
08.21

Ich fahre gerne Straßenbahn. Nicht nur weil ich zu faul zum Laufen bin, sondern auch weil ich es interessant finde, was man immer wieder für Beobachtungen machen kann, wie sich notgedrungen in der Straßenbahn zusammengepferchte Menschen verhalten. Zum Beispiel, wie alle Versuchen in ihre ganz höchst persönliche Richtung zu gucken. Diese Woche gab es mal wieder ein Beobachtung zum Verhalten der Spezies Straßenbahnfahrer zu machen.

Folgende Situation: Haltestelle Löbdergaben (Stadtzentrum), um die Mittagsstunden herum, an einem (was man in dieser Woche eigentlich nicht explizit erwähnen muss) ziemlich heißen Tag. Eine Straßenbahn hat Verspätung. Auf der elektrischen Anzeige wird die Abfahrtszeit im Minutentakt um eine Minute verschoben. Als sie die darauf folgende Bahn erreicht hat, tut es ihr diese gleich. Der Bahnsteig wird immer voller. Noch ein paar Minuten später, dann kommt endlich die Bahn. Wie zu erwarten war ist diese schon überdurchschnittlich voll, da sie an den vorherigen Haltestellen schon die Leute von ca. 25 Minuten warten aufgelesen hat. Kaum hat die Bahn angehalten drängen sich schon die Massen auf dem Bahnsteig in Richtung Türen und versuchen sich noch in die überfüllte Bahn zu quetschen. Der Anblick erinnerte mich leicht an ein Video über japanische U-Bahnen, dass ich irgendwann einmal, vermutlich im Geographieunterricht, gesehen habe. Und ich stelle mir die Frage: Wieso wollen die alle in diese Bahn rein? Es ist heiß und die nächste Bahn wird wahrscheinlich keine Minute später kommen. Aber offenbar reichen ein paar Minuten zusätzliches warten auf eine Straßenbahn aus, um die Nerven so blank liegen zu lassen, dass rationale Überlegungen nicht mehr möglich sind. Oder liegt es am allgemeinen Gruppenzwang, der weiteres Nachdenken unterdrückt, es sei denn, man entscheidet sich bewusst dazu? Aber was veranlasst einen Menschen dazu? Was lief in meinem Kopf in diesem Moment anders ab, als bei allen anderen, so dass ich der Einzige war, der nicht in die erste Bahn einsteigt? …
Während die erste Bahn um die nächste Ecke fährt, bog auch schon die folgende in die Straße ein. Nur eine Hand voll anderer Fahrgäste und freie Platzwahl im alleine in Beschlag genommenen Vierersitzbereich, so fährt es sich bei der Hitze doch wesentlich angenehmer.

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