3D-Kino
Ich hab am Dienstag “Fluch der Karibik 4″ im 3D-Kino gesehen. Das war das zweiten mal, dass ich in dem gerade in Mode gekommenen Typ von 3D-Kinos (RealD) war. Und wieder war ich von den 3D-Effekten eher enttäuscht. Wie es der Zufall so will, ging es in der Vorlesung Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Bewusstsein (Psychologie) am nächsten Tag um Wahrnehmung von Tiefe (Einheit 6). Der Mensch verwendet eine ganze Reihe von Hinweisen für die Wahrnehmung von Tiefe. Da die 3D-Kinos jedoch so schlechte Ergebnisse liefern, habe ich mir die Frage gestellt, welche Hinweise wohl fehlen. Erklärungen zu den einzelnen Punkten können im Wikipedia-Artikel über Raumwahrnehmung nachgelesen werden.
Die schon im 2D-Kino gegebenen Tiefenhinweise sind die Lineare Perspektive, Relative Größe, Überlappung, Relative Höhe im Blickfeld, Texturgradienten, Luftperspektive, Gewohnte Größe und Interposition.
Von den monokularen (auch mit nur einem Auge wahrnehmbaren) Tiefenhinweisen, fehlt lediglich die Bewegungsparallaxe und die Akkommodation (Nötiges Scharfstellen; in dem Lehrbuch Allgemeine Psychologie von Spada aus dem Jahr 2006 wird die Akkommodation nicht als binokularer Tiefenhinweis geführt, was mehr Sinn ergibt). Zwar tritt der Effekt der Bewegungsparallaxe durch die Kamerabewegung auf, was mit dem Fahren in einem Auto zu vergleichen wäre, aber die Eigenbewegungen des Kopfes spielen, anders als im Auto, überhaupt keine Rolle. Es gibt eine interessante Spielerei mit einem Wii-Kontrolle, durch die der Bewegungsparallaxe-Effekt erzeugt werden kann: Head Tracking for Desktop VR Displays using the Wii Remote (drittes Video, zum Verständnis aber besser alle ansehen). Das lässt sich allerdings nicht auf ein Kino mit mehreren Zuschauern übertragen. Hier wäre der Ansatz stattdessen winkelabhängig unterschiedliche Bilder von der Bildfläche abzustrahlen, was auch schon versucht wird, allerdings nur um zwei verschiedene Bilder für die Augen zu erzeugen und nicht hunderte, von der Perspektive abhängige Bilder. (heise: Neue 3D-Techniken, Abschnitt Brillenlos).
Weitere Tiefenhinweise, für die allerdings beide Augen nötig sind (Binokulare Tiefenhinweise) sind die Konvergenz (nötige Augenbewegung nach Innen um nahe Objekte zu sehen), Akkommodation (Nötiges Scharfstellen; warum dafür laut Lehrbuch beide Augen nötig sind, ist mir allerdings noch nicht klar) und Querdisparation (Verrechnen von zwei 2D-Bildern zu einem 3D-Bild). Von 3D-Kinos wird lediglich versucht die Querdisparation umzusetzen. Die beiden anderen Hinweise Akkommodation und die Konvergenz sind jedoch vor allem für die Entfernungsschätzung naher Objekte wichtig.
Es fehlen also im 3D-Kino Bewegungsparallaxe, Konvergenz und Akkommodation. Da 3D-Effekte vor allem im Nahen auftreten und diese drei Tiefenhinweise gerade für den Nahbereich wichtig sind, ist mir jetzt klar, warum das Ergebnis im 3D-Kino lediglich mäßig ist: 3D wird vom Markt momentan auf die stereoskope Darstellung beschränkt und kann daher schon vom Ansatz her nicht besser als mäßig sein.
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