Jan Martin Keil

Feuerpoi fotografieren

Was ist beim Feuerpoi fotografieren zu beachten? Nachdem ich inzwischen schon häufiger Erfahrung in Sachen Feuerpoi-Fotos sammeln konnte, hier ein paar Gedanken dazu.

Das größte Augenmerk sollte darauf liegen, möglichst niedrige ISO-Werte und eine möglichst hohe Blendenzahl zu verwenden. Da viele sehr dunkle Flächen auf den Bildern sein werden, würden zu hohe ISO-Werte sehr starkes Rauschen verursachen. Die möglichst hohe Blendenzahl ist vor allem wichtig, um das größte Problem beim Feuerpoi fotografieren, das wegen der nötigen Dunkelheit sehr schwierige manuelle Scharfstellen in den Griff zu bekommen. Wenn man mit festen Positionen arbeitet kann man natürlich auch mit Hilfe von Blitz oder Taschenlampe einmal exakt Scharf stellen und den Fokus anschließend nicht mehr verändern. Da sich Poispieler aber in der Regel bewegen ist große Schärfentiefe sehr vorteilhaft. Niedrige ISO-Werte und eine hohe Blendenzahl sind jedoch entgegengesetzte Ziele. Es gilt also einen guten Kompromiss zwischen drohender Unschärfe und Rauschen zu finden.

Um nicht nur einzelne Flammen, sondern die Spur der Poi festzuhalten sind lange Belichtungszeiten nötig. Es ist zu beachten, dass, anders als gewöhnlich, längere Belichtungszeit nur zu unwesentlich helleren Bildern führt, solange die Poi in Bewegung sind. Außerdem besteht auch eigentlich keine Gefahr, durch Verwackeln unscharfe Bilder zu erhalten, da man ja quasi Bewegungsunschärfe fotografiert. Stativ und Fernauslöser sind dennoch praktisch, um sicherzustellen, dass die Lichtspur nur vom Poi-Spieler abhängt, und um geschlossene Kreise und Figuren zu erhalten. Außerdem kann man sich dann besser darauf konzentrieren den Auslöser so lange gerückt zu halten, bis man genau eine vollständige Figur eingefangen hat. Ein Stativ vermeidet in nicht ganz dunkler Umgebung außerdem tanzende Lichtquellen im Hintergrund.

Um möglichst schöne Texturen der Flammen zu erhalten sollte man zum einen unbedingt mit RAW arbeiten um keine Farbtiefe zu verschenken und zum anderen im Histogramm überprüfen, dass nicht das Flammenzentrum übersteuert. Ideal ist die hellste Einstellung die (fast) nicht übersteuert. Dafür ist wichtig zu wissen, dass Feuerpoi je nach Bauart unterschiedlich hell brennen und die Flamme am Anfang stärker ist als am Ende. Das Histogramm immer mal wieder zu überprüfen ist also ratsam.

Möchte man gezielt einzelne Figuren ablichten, sollte man den Poispieler bitten, diese Figur eine Zeit lang ohne sich viel zu bewegen in einer Endlosschleife zu spielen. Dann kann man sich einen markanten Punkt in der Figur auswählen den man als Start- und Endpunkt für die Belichtung verwendet. Um nicht kleine Lücken im Ergebnis zu haben sollte man ein klein wenig mehr als genau einen Durchgang ablichten. Mehrere Durchgänge abzulichten ist hingegen nicht besonders sinnvoll, da die erzeugten Lichtspuren meist nicht deckungsgleich sind.

Schwierig ist es die spielende Person deutlich mit abzulichten. Ich sehe drei Möglichkeiten: Zum einen kann man die Blaue Stunde nutzen, allerdings hätte man dann nur wenig Zeit zum Fotografieren. Als zweite Möglichkeit kann man in die lange Belichtungszeit hinein Blitzen oder andere Lichtquellen nutzen. Dabei kann aber viel Atmosphäre verloren gehen, da künstliche Lichtquellen eine ganz andere Farbtemperatur haben, als die Flammen. Die dritte Möglichkeit ist das Licht der Feuerpoi zu nutzen. Betrachtet man Feuerpoibilder sieht man, dass die Personen nicht komplett verwischt sind, sondern nur wenige Male kurz ineinander abgelichtet wurden, nämlich jedes mal, wenn die Flamme z.B. am Gesicht vorbei fliegt. Einen solchen Moment könnte man nutzen um ein Portrait zu schießen. Damit das Bild hell genug wird, empfehlen sich hierfür hohe ISO-Werte.