Schlagwort: Piratenpartei

Gelassenheit und Vertrauen

Gelassenheit – ein großes Wort. Ich will nicht für mich in Anspruch nehmen, vollends erfasst zu haben, was es bedeutet. Aber ich weiß, dass sie uns gut tut. Oder tun würde, sofern wir sie für uns in Anspruch nehmen würden. Ich denke, die Gelassenheit ist es, die weise Menschen von der Masse abhebt. Ich muss mich bei diesem Wort unweigerlich an ein Interview mit Altkanzler Helmut Schmidt (ARD, 14.12.2010) erinnern, in dem er immer wieder Fragen mit einem schlichten Satz abwehrt: “Das ist Alltagspolitik, dazu äußere ich mich nicht.” Es ist sicherlich ein Luxus des Alters, nicht mehr zu Allem eine Meinung äußern zu müssen. Dieser Satz hat mir aber gezeigt, die Augen für das Große und Ganze zu öffnen und das tägliche Hin und Her nicht immer auf die Goldwage zu legen. Es ist nicht nötig der Erste zu sein, der sich über irgendetwas das Maul zerreißt. Genauso wenig wie es nötig ist, innerhalb von wenigen Stunden Demonstrationen aus dem Boden zu stampfen oder in jeder Kleinigkeit Feindseligkeiten zu vermuten. Ich will damit nicht zu Gleichgültigkeit ermutigen. Missstände müssen natürlich benannt werden und Demokratie und Recht muss durch Wachsamkeit sowohl gegenüber entgegenstehende Ideologien als auch überprivilegierte Staatsorgane gewahrt werden. Allerdings neigen wir, beflügelt durch Facebook und Twitter, zu Aktionismus und voreiligen Urteilen.

Jüngstes Beispiel ist wohl die Reaktion auf die Webseite dns-ok.de. Die ganze Sache an sich ist bedeutungslos, offenbart aber ein tief greifendes Problem: Ein Mangel an Vertrauen. Es ist erschreckend zu lesen, was für haltlose Mutmaßungen im Internet dazu kursieren, in denen Behörden abstruse Dinge unterstellt werden. Genau dieses Problem hat auch Gesine Schwan in einem kürzlich im Deutschland Radio ausgestrahlten Interview angesprochen. So hat die Politik viel Vertrauen verloren, da sie entscheidet ohne alle Fakten zu kennen. Doch können die Politiker nicht besser sein, als das Volk, aus dem sie gewählt wurden. Dieses aber erweist sich ebenfalls als nicht Vertrauenswürdig, da es nur mault und jammert, so Gesine Schwan. In diese Maulen und Jammern würde ich das Lustig machen im Web über vermeintlich inkompetente Politiker und Behörden und das Aufregen über schwer nachvollziehbare Entscheidungen einbeziehen. Ich kann mich selber davon nicht ausnehmen. Meckern ist durch Facebook noch einmal um einiges leichter geworden. Ein Like genügt, die Fakten werden jedoch kaum überprüft. Sogar zur Anwesenheit bei einer Demo habe ich mich einmal hinreisen lassen. Später, als mehr Details bekannt wurden und ich mir ein umfassenderes Bild der Sachlage machen konnte, musste ich mich ein wenig dafür Schämen. Immerhin konnte ich mir im Nachhinein das Bild noch zurecht rücken, andernfalls wäre mein Misstrauen gegenüber dem Staat ein deutliches Stück gewachsen. Umgekehrt entsteht das Problem, dass solche Aktionen von Politikern nicht mehr wirklich ernst zu nehmen sind, wenn die Beteiligten noch überhaupt keinen Überblick über die Fakten haben. Wir drehen uns also im Kreis und entfernen uns immer mehr voneinander. Schuld daran sind beide Seiten.

Aus diesem Kreislauf auszubrechen sollte also ein Ziel sein. Ein Mitglied der Piratenpartei (Stephan Urbach) macht gerade vor wie das geht. Er trifft sich zum Beispiel mit Karl Theodor zu Guttenberg, der (unter lautem Protest aus dem Internet) zum Berater für die “no-disconnect”-Strategie der EU benannt wurde. Für dieses Treffen wird Stephan Urbach im Netz zum Teil heftig kritisiert. Das gehört in die Kategorie Maulen und Jammern, denn durch Kommunikation und Zusammenarbeit werden sinnvolle Lösungen herbeigeführt. Das weiß ich nicht zuletzt durch meine Erfahrung aus zwei Jahren als Fachschaftsrat. Dafür ist jedoch ein Grundmaß an Vertrauen und Gelassenheit nötig. Etwas provokanter Formuliert es Klaus Peukert in seinem Blog-Post “We have to educate!”. Die Kommentare darunter zeigen allerdings, dass es keine einfache Lektion ist.

Mich selber sehe ich längst noch nicht am Ende dieses Lernprozesses angekommen, das möchte ich hier noch einmal betonen. Dieser Artikel dient in erster Linie dazu mir meines eigenen Standpunktes klar und vielleicht auch hinterfragt zu werden. Auch stellt sich die Frage, ob dieser Artikel nicht Maulen auf der Metaebene ist. Auf jeden Fall möchte ich dazu Anregen sich die Wirkungsweise von Meldungen auf Menschen bewusst zu machen und so persönlich dem Sog von Medien und Community zu entkommen. Man verpasst nicht, wenn man nicht sofort auf den Zug der Meinungsmacher aufspringt. Wer wartet, bis die Fakten auf dem Tisch liegen hat immer noch Zeit zum kritisieren, sofern die Sache wichtig genug war, um einen halbe Woche später überhaupt noch darüber zu reden. So kann man bedeutungslose Kleinigkeiten mit Gelassenheit übergehen und bleibt beim Wesentlichen.

DNS-OK! Weltbild auch?

Es geht durch alle Medien: Eine Hackergruppe, die mindestens 33000 deutsche PCs mit einem Trojaner infiziert hat, wurde festgenommen. Der Trojaner hat die DNS-Anfragen auf einen eigenen DNS-Server umgeleitete, so dass manipuliert werden konnte, welche Seiten aufgerufen werden und dies wiederum möglichst gewinnbringend genutzt. Jetzt wird dazu aufgerufen die Webseite dns-ok.de zu besuchen, um zu überprüfen, ob der eigene Rechner infiziert ist. Die ganze Aktion geht von BSI, BKA und Telekom aus.

Wie funktioniert der Test? Für die Webseite liefert der fragliche DNS-Server eine manipulierte IP-Adresse zurück. Während nicht betroffene Nutzer auf die IP-Adresse 85.214.11.195 weitergeleitet werden und dort eine Entwarnung erhalten, bekommen Nutzer die von dem Virus betroffen sind (oder sich 85.255.113.90 als DNS-Server eingetragen haben) die IP-Adresse 85.214.11.194. Dort gibt es dann die Warnmeldung. Auch wenn viele Spekulationen dieser Art kursieren, so wird doch kein Testscript ausgeführt oder sonst irgendwie auf den Rechner zugegriffen.

Vermutlich ist für die Webseite einfach ein manipuliertet Eintrag in dem fraglichen DNS-Server platziert worden, so dass Betroffene auf eine Seite mit Warnung geleitet werden, alle anderen auf eine Seite mit Entwarnung gelangen. Es wird zumindest nicht irgendwie auf den Rechner zugegriffen.

Warum erzähle ich das alles? Wenn ich die Kommentare zu der diesbezüglichen Meldung der Piratenpartei auf Facebook oder an vielen anderen Orten (einfach mal nach “dns ok” suchen) lese drängt sich mir die Frage auf, ob ich zu naiv oder einige der Kommentatoren (in welchem Verhältnis diese zur Piratenpartei stehen kann ich nicht sagen) ein wenig paranoid sind? So wird unterstellt, dass dadurch womöglich neue Geheimdiensttrojaner installiert werden, eine Datenbank mit Browserkennungen angelegt werden soll oder das ganze ein billiger Werbegag von BSI, BKA und Telekom ist. Außerdem wird den besagten auf vielfältigste weise Inkompetenz in diesem konkreten Fall vorgeworfen: Man hätte erstens viel früher was machen sollen, zweitens wäre die Methode des Tests bei dieser Angriffsart Schwachsinn und solle drittens nicht mit einem Aktivwerden der Nutzer rechnen.

Ich mit meinem möglicherweise äußerst naiven Weltbild denke es geht bei der Aktion lediglich darum 33000 Nutzer davor zu bewahren plötzlich nichts mehr im Browser angezeigt zu bekommen. Die ganze Aktion mutet etwas dramatisch an, da die Mithilfe der Medien benötigt wird und diese sich natürlich gerne auf so eine Geschichte stürzen um damit ein bisschen Angst vor bösen Hackern zu schüren, so dass die Sache dramatischer klingt als sie ist. Aber wie sonst sollte der Durchschnittsverbraucher von der Testseite erfahren? Man hätte natürlich die Nutzer auf eine Informationsseite zwingen können, die technischen Voraussetzungen dafür hat die Hackergruppe ja freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Oder den Server abschalten und viele Nutzer kurzzeitig vom Internet abtrenne. Doch den Aufschrei nach so einer Aktion hätte ich hören wollen: “BKA manipuliert Seitenzugriffe” bzw. “BKA kappt Internetverbindung von 33000 Nutzern” oder so ähnlich. Insofern ist diese Methode, unter gesellschaftlichen Aspekten betrachtet, gut gewählt. Aber auch technisch gibt es nichts auszusetzen. Spontan dachte ich ebenfalls, dass es keinen Sinn macht eine Testseite gegen einen Trojaner mit DNS-Umleitung zu schalten, da einfach auf eine gefälschte Testseite umgelenkt werden kann. Allerdings ist der DNS-Server inzwischen unter behördliche Kontrolle, so dass diese Gefahr nicht mehr besteht. Andererseits liegt darin auch der Grund, weshalb erst jetzt -nach der Festnahme der Hackergruppe- diese Aktion gestartet wird. Und mal ganz ehrlich: Für die Virenfreiheit des eigenen Rechners ist man selber verantwortlich. Es wäre lächerlich, wenn wegen jedem zweiten Trojaner, der gerade im Umlauf ist, solch ein riesiger Aufstand gemacht werden würde.

Also: Immer mit der Ruhe. Weder durch diesen Trojaner noch durch die Gegenmaßnahmen wird die Welt untergehen.

Parteien-Webseiten

Ich dachte mir, es wäre doch nicht schlecht nicht immer nur die durch die Meinung des jeweiligen Journalisten gefärbte Informationen über die aktuellen politischen Vorgänge zu beziehen, sondern sich selbst einen Überblick zu verschaffen. Deshalb wollte ich mir die RSS-Feeds der relevanten Parteien (CDU/CSU, SPD, FDP, Grüne, Linke, Piraten) abonnieren.

Und schon stoße ich auf das erste Problem: Wo ist der RSS-Feed der SPD? – Erst beim erneuten Besuch der Seite, beim verfassen des Artikels, stelle ich fest, dass man zuerst auf “News” klicken muss, auch wenn sich dadurch die Seite ansonsten nur unwesentlich ändert. Aber das die SPD-Webseite nicht nur das Gelbe vom Ei ist war ja auch schon zu bewundern, als vor ein paar Wochen der Artikel eines Herr Keuner über IPv6 kursierte. Nur nach genauerem hinsehen findet man heraus, dass es sich bei dem Autor nach eigenen Angaben um ein frustriertes SPD-Neu-Mitglied handelt, der Beitrag also nicht besonders ernst zu nehmen, geschweige denn der SPD zuzuschreiben ist. Ob man sich bei der SPD bewusst darüber ist, was für ein Mist auf ihrer eigenen Webseite in ihrem Namen verbreitet wird?
Nachtrag: Mir ist jetzt erst aufgefallen, dass der RSS-Feed der SPD sagenhafte 687 Einträge enthält und damit fast ein halbes Megabyte groß ist. Die Einträge gehen zurück bis auf den 24. Sepmteber 2010. Wann wohl die SPD-Webseite an den Start gegangen ist? Zum Vergleich, ein üblicher RSS-Feed liefert die letzten 20 Einträge. Dieser Feed ist nicht für dünne (Smartphone-)Leitungen.

Bei den anderen Parteien ist es kein Problem an den RSS-Feed heranzukommen. Insbesondere bei den Grüne, die einen geradezu mit einem Überangebot an Feeds erschlagen. Und auch wenn man sich dann mal entschieden hat, wird es nicht einfacher: Offenbar hat jemand vergessen den Zeitstempel an die Datumsfunktion zu übergeben. Zumindest wird bei jedem Aufruf der Feeds für jeden Artikel als Publikationszeitpunkt die aktuelle Zeit angegeben, wodurch auch gelesen bzw. weggeklickte Artikel immer wieder von neuem im RSS-Reader erscheinen. Nachtrag 3: Der Grund dafür liegt in einer Ungewöhnlichen Formatierung der Zeitangabe. Zwar entspricht sie den RSS 2.0 Spezifikationen, beruft sich dabei auf eine für meine Begriffe überflüssige und deshalb so gut wie nie benutzte und nicht von allen Readern unterstützte Ausnahme. Derzeit ganz vorne übrigens immer ein Link auf Guido Westerwelles gesammelte Peinlichkeiten bei handelsblatt.com. Guter Ton ist was anderes.

Bei den Piraten gibt es eine Zertifikats-Warnung, weil eine Grafik von flaschenpost.piratenpartei.de per https eingebunden werden soll, sich aber mit dem Zertifikat von piratenpartei-bayern.de schmückt. Ein wenig peinlich, da dieser Themenbereich das Steckenpferd der Partei ist. Ansonsten aber die übersichtlichste Seite.

Nachtrag 2: Beim Feed der FDP tritt auch ein etwas seltsamer Effekt auf: Einige Einträge sind doppelt, sie unterscheiden sich lediglich in der Überschrift und verweisen letztlich auf die gleiche Seite, allerdings unter verschiedenen Adressen. Es sieht so aus, als ob der Feed durch die nachträgliche Änderung der Überschrift eines Artikels verwirrt wird und weiterhin die nur zur Weiterleitung aufgehobenen Adressen auflistet.

DSL in Jena

Die Piratenpartei Jena hat eine Aktion gestartet, die DSL-Verfügbarkeit in Jena unter die Lupe zu nehmen, die ich hier einfach mal unterstützen möchte:

Da oft die Gerüchte aufkommen, dass die Internetanbindung in Jena nicht
die beste ist und da niemand genaue Daten kennt, gibt es dieses Projekt
um eine Übersicht zu halten.

Hier die googlemaps-Karte zum eintragen:

http://dsl.jenapolis.de/ oder
http://breitband.piraten-jena.de/

Hier kann man noch mal seine Geschwindigkeit testen lassen:

http://www.wieistmeineip.de/speedtest/
http://www.dsl-speed-tester.de/DSL-Speedcheck.html
http://www.dsl-speed-service.de/DSL-Geschwindigkeitstest.html
oder dsl geschwindigkeitstest o.ä. googlen.

Hinweis: die Tests geben nur eine Größenordnung wieder, es kann durchaus
zu Abweichungen kommen.

Ziel ist es mit genauen Daten konkrete Forderungen z.B. an den Stadtrat
stellen zu können.

Ansonsten: VERBREITEN, weiterleiten und informieren, damit möglichst
viele sich in Jena eintragen.

TV Total Bundestagswahl

Ich hab gestern, wie sicher viele Andere auch die “TV Total Bundestagswahl” [Link: Ergebnisse] (Server derzeit überlastet) geschaut. Ich fange mal damit an, was ich Positiv fand: Im Gegensatz zum TV-Duell gab es mehr Diskussion zwischen den Politikern, was aber auf Grund der eingeladenen Gäste absehbar war. Das war’s dann aber im Groben schon. Sehr störend hingegen war das nicht ganz zu unrecht als “Hooligans” betitelt Publikum, dass noch weniger ausreden lassen hat, als das Jornalistenquartet beim TV-Duell (was eine beachtliche Leistung ist). Aber darüber kann man hinweg sehen, genauso wie über das vermutlich durch einen Piraten-Flashmob ([1],[2],[3]) erzeugte exorbitante Ergebnis der Linken. (Kindisches Gehabe: “Du lässt mich nicht mitspielen, also ärger ich dich beim Spielen.”) Am schlimmsten fand ich die Unfähigkeit der Leute im Hintergrund, die die Zahlen ausrechnen sollten. Es darf weder 5 Minuten dauern, fünf mal drei Zahlen zu addieren und davon dann die Prozente auszurechnen, genauso wenig, wie die Summe des Endergebnisses 100,1% lauten darf. (Kannst gerne selber nachrechnen: 26,6 + 17,7 + 19,9 + 15,4 + 20,5) Ich denke, das lässt tief blicken, was dort im Hintergrund gestern Abend für ein Chaos geherrscht hat.

Resümee des Abends: Ich hätte vielleicht doch lieber “Bülent Ceylan live!” schauen sollen.

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